Was ist Kreativität? Wie funktioniert sie? Unter welchen Bedingungen sind Menschen kreativ? Will Gompertz, langjähriger Kunstkorrespondent bei der BBC, hat ein lesenswertes Buch zu diesem Thema geschrieben.

Gompertz‘ Tätigkeit für die BBC und sein Job als Journalist haben dazu geführt, dass er vielen Künstlern, Regisseuren, Autoren und Designern aus der ganzen Welt begegnet ist und sie in ausführlichen Interviews kennengelernt hat. Im Lauf seines Berufslebens hat er festgestellt, dass es eine Handvoll klar benennbarer Eigenschaften gibt, die alle erfolgreichen Kreativen gemeinsam haben. Und dieses Wissen und seine schlauen Beobachtungen gibt er jetzt großzügig an uns weiter.

Gompertz ist auf der Suche nach Arbeits – und Denkweisen, mit denen Menschen kreative Höchstleistungen vollbringen. Gemäß seiner Überzeugung: Jeder ist kreativ (oder wie Joseph Beuys sagte: „Jeder Mensch ist ein Künstler“) geht es ihm darum, wie jeder diese Methoden anwenden kann, um sein Leben kreativer zu gestalten. Denn für Gompertz bedeutet Kreativität, sich lebendig zu fühlen, in dem man seine eigenen Ideen zum Leben erweckt.

Seiner Meinung nach können wir von den bildenden Künstlern am meisten über den kreativen Prozess lernen. Dementsprechend tief taucht er in die künstlerischen Welten und das kreative Selbstverständnis vieler berühmter Maler, Bildhauer und Video – oder Performance Künstler ein, von Michelangelo bis Bansky, von Picasso bis Luc Tuymanns.

Gleich zu Beginn räumt er mit dem Vorurteil auf, Künstler würden sich nicht für Geld interessieren, denn sie wollen überleben und mit ihrer Kunst weiter machen. Künstler denken unternehmerisch. In den folgenden Kapiteln entwickelt er an spannenden Beispielen seine Thesen weiter.

Zum Beispiel benennt er, was Künstler ausmacht: sie bitten nicht um Erlaubnis zum Malen oder Schreiben oder Schauspielen oder Singen; sie tun es einfach. Künstler wissen, dass Ideen nicht aus dem luftleeren Raum kommen. Gompertz erklärt am Beispiel von Picasso, der eine klassische Zeichnung von einem Stier durch Reduzierung zu einer Skizze entwickelt, wie jemand seinen eigenen Stil findet. Künstler sehen das große Ganze und die kleinen Details, zum Beispiel Luc Tuymanns, der seine ganze Ausstellung plant, bevor er auch nur irgendein Bild angefangen hat. Künstler sind Skeptiker, sie stellen die Dinge in Frage. Künstler machen Denkpausen: sie werden zwischendurch vom Schaffenden zum Betrachtenden.

Wer also als Autor oder Drehbuchautorin über seinen oder ihren Tellerrand gucken will, ist bei Will Gompertz genau richtig. Denn all diese Arbeits- und Denkweisen helfen, um sich weniger als „Dienstleister“ zu fühlen und mehr an seine eigenen Ideen und Stoffe zu glauben.  Eine Ermutigung sozusagen.

Will Gompertz: Denken wie ein Künstler. Wie Sie Ihr Leben kreativer machen. DuMont Buchverlag Köln, 2016.