skriptreif

Stoffentwicklung und Filmdramaturgie

Sommernews

Kurz vor dem Beginn der Sommerferien noch ein paar interessante Neuigkeiten aus der dramaturgischen Praxis und aus meinem Leben als Leserin:

  • Wer wissen will, was in der Fiktionabteilung des ZDF los ist, lese das sehr spannende und aufschlussreiche Interview mit dem Leiter der Hauptredaktion I für Serie/ Fernsehfilm, Frank Zervos, im Medienmagazin DWDL. Vor allem, was die Zusammenarbeit mit jungen AutorInnen und kleinen Produktionsfirmen angeht, eine „Aufforderung zum Tanz“, würde ich sagen!
  • Die von mir sehr verehrte Schauspielerin Meryl Streep ist gerade erstaunliche 70 Jahre alt geworden, in der Südeutschen Zeitung findet sich eine „Würdigung“ von Tobias Kniebe, die ihr und ihrem Können und ihrer feministischen Haltung gerecht wird.
  • Anlässlich des Münchner Filmfests, das gerade stattfindet, ist ein neuer „VeDRA – Wendepunkt“ erschienen, die 44. Ausgabe der Zeitschrift des Dramaturgenverbands, mit dem Themenschwerpunkt „Stoffentwickung“ und einem sehr lesenswerten Beitrag von Timo Gößler und Katrin Merkel zur deutschen Variante des Writer’s Room.
  • Für alle Bremer und Bremerinnen interessant ist die aktuelle Aussschreibung vom Bremer Literaturkontor und dem Senator für Kultur für das Bremer Autorenstipendium. Leider ist die Kategorie „Drehbuch“ diesmal nicht dabei, aber für alle, die einen literarischen Text in der Schublade haben, gilt die Aufforderung, bis zum 19. August einzureichen. Viel Glück!
  • Apropos Sommerferien. Das sind die Bücher, die ich in den Sommer mitnehme: David Sedaris „Wer’s findet, dem gehört’s“ (Tagebauaufzeichnungen seines verrückten Lebens); Jean-Luc Bannalec „Bretonisches Vermächtnis“ (ein liebgewordenes Ritual in jeden Sommerferien seit acht (!) Jahren, jeden Sommer ein neuer Krimi); Johann Harstad „Max, Mischa und die Tetoffensive“ (viel zu dick, um es im Alltag zu schaffen) und Georg Möller „Und immer wieder mein Garten … Schriftstellerinnen über ihre besondere Beziehung zum Garten“ (wenn mir nur noch nach Blättern und Fotos ansehen ist, weil ich bereits tiefenentspannt bin …).

Bleibt mir nur noch allen einen schönen Sommer zu wünschen!

10 Fragen an Meike Dannenberg

Meike Dannenberg
Foto: Copyright Studioline

Meike Dannenberg ist Autorin, Journalistin und Literaturredakteurin des Magazins BÜCHER und lebt mit ihrer Familie in Bremen. Sie hat gerade ihren zweiten Kriminalroman veröffentlicht: „Gefährdet“ (btb). Meike liest ganz aktuell am Dienstag, den 19.2.2019, um 18 Uhr in der Krimibibliothek der Stadtbibliothek Bremen. Weitere Informationen zur Autorin und ihrem Buch finden Sie unter: http://meikedannenberg.de

Auf welchen Wegen oder Umwegen bist du zum Schreiben gekommen?

Ich war ein sehr pragmatisches Kind und ich wollte gerne im oder am Wald leben. Aber was kann man da arbeiten? Försterin verwarf ich, (Rehe erschießen!), aber Schriftstellerin beschwor ein Traumbild in mir herauf: mit Blick über die Wiesen und Bäume schöne Geschichten verfassen. Weil ich mir schon dachte, dass es schwierig werden könnte, davon wirklich zu leben, begann ich mit etwa elf einen ersten Roman – mit dem Hintergedanken, dass die Verlage sicher bei einer so jungen Schriftstellerin eine Ausnahme machen und das Buch veröffentlichen, auch wenn es nicht brillant ist. Leider merkte ich bereits nach wenigen Seiten, dass ich einen Film nacherzählte, den ich unlängst gesehen hatte, meine Freundin gewann einen Kurzgeschichtenwettbewerb und ich beschloss, dass ich nicht genug Fantasie für den Beruf habe. Im Laufe meines Lebens habe ich dann aber nach und nach alles vermieden, dass mich nicht in Richtung Literatur führte und nebenbei fast immer geschrieben. Ich habe Chancen ausgeschlagen, die sich falsch anfühlten, und letztlich blieb mir nichts anderes übrig, als das Schreiben endlich ernst zu nehmen. Jetzt ist es, als sei ich zum Ursprung zurückgekehrt, und ich bin sehr glücklich darüber! Leider möchte meine Familie nicht im Wald wohnen und ich mag die Annehmlichkeiten einer Stadt auch gar nicht mehr missen.

An welchem Projekt arbeitest Du gerade?

Ich arbeite an einem Exposé für einen dritten Band der Krimireihe mit Nora Klerner und parallel an einem Jugendbuch, das schon recht weit gediehen ist. Wenn ich ein Manuskript abgegeben habe, muss ich schnell mit etwas Neuem anfangen, es entsteht sonst eine unangenehme Lücke. Wie soll ich einschlafen, wenn ich dabei nicht über den Fortgang einer Geschichte nachdenken kann?

Wie sieht ein vollkommener Arbeitstag für Dich aus?

Gemütlich Kaffee trinken, Zeitung lesen und Mails beantworten bis zehn, in ein Café gehen und dort hoch inspiriert einige Stunden schreiben, nachmittags etwas mit der Familie unternehmen und abends mit einer Freundin ins Kino. Die tägliche Realität sieht leider anders aus, aber ab und an gönne ich mir diesen perfekten Tag!

Was wäre aus Dir geworden, wenn Du kein/e Autor/in geworden wärst?

Meeresforscherin. Als die pragmatische Entscheidung Journalismus getroffen wurde, dachte ich, ein Biologiestudiums würde mir dabei helfen, mich zumindest die meiste Zeit beruflich in der Natur aufhalten zu können. Als Teenagerin habe ich mikroskopiert, Fische und Schildkröten gehalten. Ich bin froh, dass es nicht so gekommen ist. Als Meeresforscherin hätte mich der Zustand der Gewässer in tiefe Depressionen gestürzt. Ich habe allerdings einen Traum umgesetzt, Tauchscheine gemacht und war im Regenwald von Venezuela.

Von wem oder durch was hast Du am meisten über das Schreiben gelernt?

Durchs Lesen. Ich habe schon als Kind viel gelesen. Ein Erweckungserlebnis war ein Urlaub, in dem ich die Kinderbücher (u.a. „Die rote Zora“ und „Märchenmond“) bereits auf der Fahrt nach Griechenland (über den damaligen „Autoput“, der sich in etwa so anfühlte, wie er heißt) durchgelesen hatte. Danach musste ich die Bücher meiner Eltern lesen: „Die Entdeckung der Langsamkeit“, „Das Geisterhaus“, „Die Herrin vom Nil“. Ich habe nicht alles verstanden, aber stellte fest, dass Literatur mich auf allen Ebenen vereinnahmen kann. In den letzten Jahren habe ich außerdem das Privileg ausgenutzt, dass ich als Literaturredakteurin Interviews mit erfolgreichen Autoren führe: ich habe jeden einzelnen nach seiner Arbeitsweise ausgequetscht. Das war sehr hilfreich, um zu verstehen, wie unterschiedlich die Herangehensweisen sind, wenn es um das praktische Entstehen eines Buches geht. Und dass alle kreativ schaffenden Menschen die gleichen Ängste teilen.

Das beste Buch über das Schreiben?

Für mich hat tatsächlich, schon vor vielen Jahren, der überesoterische „Weg des Künstlers“ den größten Effekt gehabt. Die Affirmationen fand ich albern, aber hier ging es vorrangig darum, sich überhaupt Kreativität zuzugestehen, Vertrauen zu entwickeln und sich die inneren Kritiker vorzuknöpfen. Dabei wird gleichzeitig viel geschrieben, und dann wusste ich, wie mein erstes Projekt aussehen wird.

Was tust Du außer Schreiben?

Als Literaturredakteurin lese ich sehr viel. Und wir haben eine vollen Familienalltag mit sehr gekümmertem Einzelkind, in dem ich das meiste wuppe, weil mein Mann länger arbeitet. Ich schreibe fast immer, wenn ich nichts anderes tun muss. Also könnte man sagen, ich tue nichts außer Schreiben? Nein, das stimmt nicht, wir haben einen Schrebergarten, ich singe seit vielen Jahren, backe neuerdings Torten, male und bastle gerne.

Dein aktuelles Lieblingsbuch?

Ich habe eher immer eine Lieblingsautorin, derzeit Tana French. Ich mag ihre leichte, fast tänzelnde Sprache, die recht ausufernd ist. Bei ihr vergesse ich Form, Plot und Stil und kann mich wieder ganz auf die Geschichte einlassen. Ich würde gerne Krimis schreiben wie sie und das spornt mich an, obwohl jeder seine eigene Erzählsprache hat und finden muss. Es erinnert mich aber daran, was ich an Büchern so liebe!

Welchen Film hast du in letzter Zeit gesehen, der dir besonders gefallen hat? Und warum?

Klingt vielleicht komisch, aber das war „Jurassic World“. Meine Familie war auf einem Konzert und ich hatte, was höchst selten ist, den Abend unter der Woche zu Hause für mich alleine. Ich wollte Popcorn-Kino und der Film hat das vollends befriedigt, ich habe nichts gedacht außer: „Lauf!“ Und dabei Sekt getrunken.


Aktuell

Kreatives Drehbuchschreiben – Die Grundlagen

Mehr als jedes andere Schreiben ist Drehbuchschreiben Handwerk. In diesem Basis – Seminar für Einsteiger werden wir folgende Fragen beantworten: Welche Geschichte will ich erzählen? Wie entwickle ich glaubwürdige Figuren? Wie funktioniert die Drei-Akt-Struktur?  Wie entwerfe ich eine Szene? Wie funktionieren gute Dialoge? Was ist ein Pitch, ein Exposé, ein Treatment? Und wie kann man diese Formen erfüllen und dabei seiner eigenen Vision der Geschichte treu bleiben?

Termin:  Samstag, den 23. Februar, 10 bis 18 Uhr /ausgebucht

Ort: Filmbüro Bremen, Hinter der Holzpforte 1

Kosten: 60 €. Für Mitglieder des Filmbüros: 50 €.

Die Anmeldung ist ab sofort möglich und erfolgt über das Filmbüro Bremen, Saskia Wegelein: wegelein@filmbuero-bremen.de

Treatment.lab

Wie schreibe ich ein Treatment, mit dem ich mich für eine Filmförderung oder bei einer Produktionsfirma bewerben kann? Die Drehbuchidee liegt vor. Ziel des Treatment.lab ist die Erstellung eines aussagekräftigen Treatments, das bei einer Produktionsfirma oder bei einer Filmförderung eingereicht werden kann. Das Treatment.lab ist geeignet für alle, die an ihren eigenen fiktionalen Stoffen arbeiten und Lust haben mit gezielter dramaturgischer Unterstützung in der Gruppe ihren Stoff weiter zu entwickeln.

Die Stoffe der Teilnehmer stehen im Mittelpunkt und werden individuell begleitet und kontinuierlich weiterentwickelt. Die Stoffe werden in der Gruppe zur Diskussion gestellt. Nicht nur die leitende Dramaturgin, sondern auch die anderen Teilnehmer und Teilnehmerinnen bringen ihre Fragen und Anregungen ein, um die Texte der anderen weiterzuentwickeln. Zwischen den drei Terminen bleibt Zeit, um an den eigenen Stoffen zu arbeiten. Am Ende des Workshops werden die Stoffe der Teilnehmer im Rahmen einer Veranstaltung des Filmbüros einem breiteren Publikum vorgestellt.

Die Teilnehmer bewerben sich mit einem Pitch oder einer Idee (1 S.), einer Probeszene (2 S.)  und einer Kurzbio/filmografie. Arbeitsproben, Filmproben oder Links können gerne mit eingereicht werden. Die Auswahl der Teilnehmer und die Zusammenstellung der Gruppe aus maximal vier Teilnehmern erfolgt durch das Filmbüro und die leitende Dramaturgin Regina Weber.

Termine:  jeweils Samstag, 10 bis 18 Uhr in den Räumen des Filmbüro Bremen, Hinter der Holzpforte 1, am 30. März, 4. Mai und 22. Juni 2019

AUSGEBUCHT

Der Preis für alle drei Termine beträgt 180 €. Mitglieder des Filmbüros: 150 €. Ratenzahlung ist möglich.

Die Bewerbung erfolgt über das Filmbüro Bremen, Saskia Wegelein. wegelein@filmbuero-bremen.de

Zehn Fragen an Dorothee Schmitz-Köster

(Foto: Tristan Vankann)

Dorothee Schmitz-Köster arbeitet seit vielen Jahren als Journalistin und Buchautorin. Ihr neuestes Buch “ Raubkind – Von der SS nach Deutschland verschleppt“ ist soeben erschienen.  Ihre Lesung in Bremen findet am 13.  September um 18 Uhr im Wallsaal der Bremer Stadtbibliothek statt. Weitere  Informationen unter: http://www.schmitz-koester.de/

Auf welchen Wegen oder Umwegen bist du zum Schreiben gekommen?

Es waren tatsächlich Umwege. Mit meinem Germanistik- und Philosophiestudium wollte ich eigentlich Lehrerin werden. Aber es gab keine Stellen – zum Glück für mich. Außerdem bekam ich das Angebot zu promovieren, für mich die Eintrittskarte für den „freien Markt“. Ich fing an, journalistisch zu arbeiten, und als mir die Produktion von „Eintagsfliegen“ nach kurzer Zeit nicht mehr reichte, machte ich mich an Tiefenbohrungen, sprich: Große Radiostücke, das erste Buch …

An welchem Projekt arbeitest Du gerade?

Gerade ist mein zehntes (Sach-)Buch fertig geworden – jetzt stehen Lesungen, Vorträge, Interviews auf dem Programm. Außerdem arbeite ich an meinem Archiv … eine Aufgabe für die nächsten Jahre! Und eine Idee für einen kürzeren Text gibt es auch schon.

Wie sieht ein vollkommener Arbeitstag für Dich aus?

Absolute Konzentration! Ein Geistesblitz unter der Dusche. Viele Stunden am Schreibtisch – ungestört von Mails oder Telefon. Zwei, drei Bewegungs- und Frischluftpausen. Ein Abendessen, von jemand anders gekocht. Plaudern in kleiner Runde. Vom Text träumen …

Was wäre aus Dir geworden, wenn Du kein/e Autor/in geworden wärst?

Wahrscheinlich doch Lehrerin. Vielleicht Detektivin, wegen der Recherchelust. Oder Architektin, was ich mir als Kind vorgestellt habe ..

Von wem oder durch was hast Du am meisten über das Schreiben gelernt?

Durch Arbeit am Text. An der Uni ist ein Prof mit mir mein Referat durchgegangen, Wort für Wort. Seitdem schreibe ich gerade Sätze. Später beim Radio gab es einen geduldigen Redakteur, der mir das Schreiben fürs Hören an  meinen Manuskripten beibrachte. Das hat meinen Stil nachhaltig geprägt – ich lese mir meine Texte im Entstehen immer wieder selbst vor.

Das beste Buch über das Schreiben?

Ich habe keins der „Lehrbücher“ gelesen, obwohl es sicher gute gibt. Bei meinem neuen Buch – der Geschichte eines geraubten Kindes – war für mich wichtig: Per Olov Enquists „Die Ausgelieferten“. Ein dokumentarischer Roman, akribisch recherchiert, nicht unliterarisch … Diese Verbindung von Faktischem und Fiktivem würde ich auch gern hinbekommen.

Was tust Du außer Schreiben?

Kochen, Fotografieren, Walken … naja, und leben!

Dein aktuelles Lieblingsbuch?

Oh je, ich lese so viel, dass ich oft den Überblick verliere. Lieblingsbuch, Lieblingsbuch? Ist gerade nicht.

Welchen Film hast du in letzter Zeit gesehen, der dir besonders gefallen hat?  Und warum?

„Körper und Seele“ (von Ildikó Enyedi, Goldener Bär 2017) hat eine wunderbar-langsame Filmsprache, einen ungewöhnlichen Ort mit unverbrauchten Bildern (Schlachthof), winzige Szenen, die fast alles sagen … Toll!

Drehbuchkurse aktuell

Workshop Stoffentwicklung

Einen Tag lang besprechen wir in einer kleinen Gruppe Eure Stoffe. Egal, ob Pitch, Exposé oder Treatment, egal, ob Kurzfilm oder Spielfilm, jedes Entwicklungsstadium Eures Stoffes und jedes Format ist willkommen. Eine Woche vor dem Termin bekomme ich die Stoffe und versende sie an die anderen Autoren, damit alle alle Texte gelesen haben.

Jeder Stoff wird vom Autor kurz vorgestellt, dann haben wir bis zu 90 Minuten Zeit, um den jeweiligen Stoff zu diskutieren: Thema, Figuren, Plot, Zielgruppe und vieles mehr. Nicht nur die leitende Dramaturgin, sondern auch die anderen Teilnehmer und Teilnehmerinnen bringen ihre Fragen und Anregungen ein, um die Stoffe weiterzuentwickeln.

Termin:  NEUE TERMINE Samstag, den 16.11. 2019, 26.10.2019 und 15.2.2020 jeweils von 10 bis 18 Uhr

Ort: Filmbüro Bremen, Hinter der Holzpforte 1

Die Teilnahmegebühr für den Workshop beträgt 60 €. Für Mitglieder des Filmbüros: 50 €.

Die Anmeldung ist ab sofort möglich und erfolgt über das Filmbüro Bremen, Saskia Wegelein: wegelein@filmbuero-bremen.de

Kreatives Drehbuchschreiben – Die Grundlagen

Mehr als jedes andere Schreiben ist Drehbuchschreiben Handwerk. In diesem Basis – Seminar für Einsteiger werden wir folgende Fragen beantworten: Welche Geschichte will ich erzählen? Wie entwickle ich glaubwürdige Figuren? Wie funktioniert die Drei-Akt-Struktur?  Wie entwerfe ich eine Szene? Wie funktionieren gute Dialoge? Was ist ein Pitch, ein Exposé, ein Treatment? Und wie kann man diese Formen erfüllen und dabei seiner eigenen Vision der Geschichte treu bleiben?

Termin:  Samstag, den 29. September, 10 bis 18 Uhr (ausgebucht) und 23. Februar 10 bis 18 Uhr

Ort: Filmbüro Bremen, Hinter der Holzpforte 1

Kosten: 60 €. Für Mitglieder des Filmbüros: 50 €.

Die Anmeldung ist ab sofort möglich und erfolgt über das Filmbüro Bremen, Saskia Wegelein: wegelein@filmbuero-bremen.de

Treatment.lab

Wie schreibe ich ein Treatment, mit dem ich mich für eine Filmförderung oder bei einer Produktionsfirma bewerben kann? Die Drehbuchidee liegt vor. Ziel des Treatment.lab ist die Erstellung eines aussagekräftigen Treatments, das bei einer Produktionsfirma oder bei einer Filmförderung eingereicht werden kann. Das Treatment.lab ist geeignet für alle, die an ihren eigenen fiktionalen Stoffen arbeiten und Lust haben mit gezielter dramaturgischer Unterstützung in der Gruppe ihren Stoff weiter zu entwickeln.

Die Stoffe der Teilnehmer stehen im Mittelpunkt und werden individuell begleitet und kontinuierlich weiterentwickelt. Die Stoffe werden in der Gruppe zur Diskussion gestellt. Nicht nur die leitende Dramaturgin, sondern auch die anderen Teilnehmer und Teilnehmerinnen bringen ihre Fragen und Anregungen ein, um die Texte der anderen weiterzuentwickeln. Zwischen den drei Terminen bleibt Zeit, um an den eigenen Stoffen zu arbeiten. Am Ende des Workshops werden die Stoffe der Teilnehmer im Rahmen einer Veranstaltung des Filmbüros einem breiteren Publikum vorgestellt.

Die Teilnehmer bewerben sich mit einem Pitch oder einer Idee (1 S.), einer Probeszene (2 S.)  und einer Kurzbio/filmografie. Arbeitsproben, Filmproben oder Links können gerne mit eingereicht werden. Die Auswahl der Teilnehmer und die Zusammenstellung der Gruppe aus maximal vier Teilnehmern erfolgt durch das Filmbüro und die leitende Dramaturgin Regina Weber.

Termine:  jeweils Samstag, 10 bis 18 Uhr in den Räumen des Filmbüro Bremen, Hinter der Holzpforte 1, werden vergeben, sobald vier Bewerbungen vorliegen

Die Anmeldung erfolgt über das Filmbüro Bremen, Saskia Wegelein. wegelein@filmbuero-bremen.de

Zehn Fragen an Anke Bär

Foto: Susanna Wengeler

Anke Bär ist Illustratorin und Autorin und lebt mit ihrer Familie in Bremen. Zuletzt erschien im Februar ihr Buch „Kirschendiebe oder als der Krieg vorbei war“ im Gerstenberg Verlag. Mehr über Anke Bär unter: http://www.ankebaer.de

 

 Auf welchen Wegen oder Umwegen bist du zum Schreiben gekommen?

Ich könnte behaupten, dass ich schon immer Autorin werden wollte. In der ersten und zweiten Klasse habe ich – kaum konnte ich schreiben – ganze Hefte mit Geschichten gefüllt. Darunter sogar eine Geschichte über das Schreiben an sich. Ich besitze die Hefte noch immer. In Wirklichkeit wollte ich aber schon immer so vieles werden. Deshalb habe ich schließlich „Kulturwissenschaften und Ästhetische Praxis“ in Hildesheim studiert, sehr in die Breite: Bildende Kunst, Theater und Literatur, Politikwissenschaften und Kulturmanagement, alles und nichts, wissenschaftlich betrachtend, vermittelnd und selbst künstlerisch tätig.

Noch im Studium kamen unsere beiden Töchter zur Welt. Im Rahmen der Diplomarbeit habe ich mich schließlich als Illustratorin erfunden und ein erstes Bilderbuch gestaltet, noch sehr auf der Suche. Im Rahmen des Studiums waren Bilderbücher und Illustrationen nie Thema. Über das Illustrieren bin ich wiederum zum Schreiben gelangt. Oder zurückgekehrt. Über meine beiden Prosa-Sachbilderbücher „Wilhelms Reise“ und „Endres, der Kaufmannssohn“ habe ich mich immer mehr der Prosa angenähert. Mein gerade erschienenes Buch „Kirschendiebe oder als der Krieg vorbei war“ ist nun rundum ein erzählendes Kinderbuch geworden.

An welchem Projekt arbeitest Du gerade?

Ich stehe gerade zwischen allen Stühlen, was weitere Bücher angeht, viele Ideen, viele Möglichkeiten, manches schon weiter vorangetrieben, einiges noch sehr am Anfang. Mal sehen, wo mich die Neugier hintreibt. Bilderbuch oder/und Jugendbuch? Das darf alles langsam reifen. Ich habe keine Eile.

Wie sieht ein vollkommener Arbeitstag für Dich aus?

  • Entspannter, vertrauter Morgen mit meiner Familie
  • Bahnenziehen im Stadionbad, Sonne, Glitzern im Wasser, Rhythmus
  • Schreibflow oder Reinzeichnen bereits konzeptuell geklärter Illustrationen
  • Spätnachmittags mit Familie und Freunden im Gras, am See oder im Wald, in den Abend hinein, vielleicht mit Picknick
  • Abends geistiges Zur-Ruhe-Kommen, keine Arbeit bis in die Nacht hinein

Was wäre aus Dir geworden, wenn Du kein/e Autor/in geworden wärst?

Vielleicht bleibe ich ja gar nicht Autorin? Wer weiß, was noch alles kommt und werden will. Ich werde immer weiter.

Von wem oder durch was hast Du am meisten über das Schreiben gelernt?

Über die vielen Bücher, die meine Mutter uns vorgelesen hat. Durch das Selbstlesen unzähliger Kinder- und Jugendbücher aus dem Bücherbus. Durch Lauschen, durch Neugier, durch genaues Hinsehen… Durch die Tätigkeit des Schreibens an sich. Durch Austausch mit meinem Mann, mit Kindern, mit Kollegen, mit meiner Lektorin und durch ein paar gute Fachbücher…

Das beste Buch über das Schreiben?

Ich habe nicht viele durchgearbeitet, nur diese beiden: „20 Masterplots“ von Ronald B. Tobias und Sol Steins „Über das Schreiben“, das schon im Studium kursierte. Sie waren für mich gute Impulsgeber bei der Überarbeitung meiner Texte.

Was tust Du außer Schreiben?

Leben. Mit allem Drum und Dran. Inklusive: Illustrieren / Illustration und Zeichnen an der HS/HfK Bremen unterrichten. Lesungen und Workshops entwickeln, die ich in Schulen, Bibliotheken und andere Veranstaltungsorte trage. Mit der Bremer Schauspielerin Franziska Mencz unsere beiden szenischen Lesungen zu meinen beiden anderen Kinderbüchern „Wilhelms Reise – Eine Auswanderergeschichte“ und „Endres, der Kaufmannssohn“ zur Aufführung bringen…

Dein aktuelles Lieblingsbuch?

Tanz der Tiefseequalle (Stefanie Höfler), Die Gestirne (Eleanor Catton), Die Ordnung der Sterne über Como (Monika Zeiner), Gertrude grenzenlos (Judith Burger), Der Kaugummigraf (Kirsten Reinhardt) … und mehr. Zu verschieden die Bücher und großartig auf ihre jeweilige Weise, um ein einzelnes als Lieblingsbuch zu küren.

Welchen Film hast du in letzter Zeit gesehen, der dir besonders gefallen hat?  Und warum?

„Die Mitte der Welt“ (Regie: Jakob M. Erwa) nach einem Roman von Andreas Steinhöfel. Feines Schauspiel, tolle Musik, satte Farben! Sehr liebevoll. Der Film hat mich hineingezogen in Phils Welt, hat mich in sich aufgenommen und noch tagelang in mein Alltagsleben hineingestrahlt.

 

 

Serientipp: River

Auf arte läuft heute (!) der vierte, fünfte und sechste Teil der sechsteiligen Miniserie River.  Die britische Polizeiserie handelt von John River (Stellan Skarsgard), der in der ersten Folge konfrontiert wird mit dem gewaltsamen Tod seiner Kollegin Stevie. Die beiden waren ein eingeschworenes Team, aber jetzt muss er erfahren, dass Stevie mehr als ein Geheimnis vor ihm hatte. River sieht seine Kollegin weiterhin, wie ein Geist begleitet sie seine Arbeitstage, in denen er versucht herauszufinden, an was Stevie zuletzt ermittelt hat und vor allem, wie sie umgekommen ist. Er redet mit ihr, als wäre sie da, und das fällt allen auf, seiner Chefin, die ihn lange kennt und versucht ihn zu schützen, und seinem neuen Kollegen, der hin- und hergerissen ist, wie er mit seinem ver-rückten Vorgesetzten umgehen soll.  Also wird er zu einer jungen Psychologin geschickt, die herausfinden soll, ob er noch diensttauglich ist. Sie wird die einzige sein, der er sagt, dass er nicht nur Stevie sieht, sondern auch die anderen Toten aus seiner langen Polizeiarbeit. Entwickelt und geschrieben hat diese Serie die großartige britische Drehbuchautorin Abi Morgan ( „Die Eiserne Lady“, „The Hour“, „Suffragette“), eine der wenigen Autorinnen, die sowohl fürs Kino als auch für das britische Fernsehen arbeiten. Nicht nur Stellan Skarsgard in seinem Spiel zwischen Wahnsinn und Normalität ist brillant, auch seine Kollegen und nicht zuletzt seine verstorbenen Partnerin, die ihn unentwegt anspricht und provoziert, wirken authentisch und machen diese Serienwelt komplett. Bis zur Auflösung dieses komplizierten Falles hat River einen weiten Weg vor sich, jede Minute davon ist sehenswert.

Zu sehen am 8. Februar 2018 auf arte um 20.15 Uhr, in der arte- mediathek bis zum 3. März 2018 und aktuell auf Netflix.

 

 

 

Februarnews

Willkommen im neuen Jahr.  Was gibt’s Neues?

Die Termine für meine Workshops und Seminare im Filmbüro in der ersten Hälfte des Jahres sind raus und Ihr könnt Euch gleich anmelden.

Workshop: Stoffentwicklung

Einen Tag lang besprechen wir in einer kleinen Gruppe Eure Stoffe. Egal, ob Pitch, Exposé oder Treatment, egal, ob Dokumentarfilm, Kurzfilm oder Spielfilm, jedes Entwicklungsstadium Eures Stoffes und jedes Format ist willkommen. Eine Woche vor dem Termin bekomme ich die Stoffe und versende sie an die anderen Autoren, damit alle alle Texte gelesen haben.
Jeder Stoff wird vom Autor kurz vorgestellt, dann haben wir bis zu 90 Minuten Zeit, um den jeweiligen Stoff zu diskutieren: Thema, Figuren, Plot, Zielgruppe und vieles mehr. Nicht nur die leitende Dramaturgin, sondern auch die anderen Teilnehmer und Teilnehmerinnen bringen ihre Fragen und Anregungen ein, um die Stoffe weiterzuentwickeln.
Termine: 3. März oder 2. Juni 2018, jeweils von 10 bis 18 Uhr
Ort: Filmbüro Bremen, Hinter der Holzpforte 1
Teilnahmegebühr: 80 € . Für Mitglieder des Filmbüro: 70 €.
Die Anmeldung ist ab sofort möglich und erfolgt über das Filmbüro Bremen, Saskia Wegelein: wegelein@filmbuero-bremen.de

Szene, Dialog und Subtext – ein Drehbuchseminar für Einsteiger und Fortgeschritte

Jeder Film und jede Serie lebt von den einzelnen Szenen und Sequenzen, mit denen die Handlung erzählt und gezeigt wird. Je lebendiger und spannender die Szenen, desto glaubwürdiger die Handlung des Films. Wie baue ich eine Szene auf? Wie setze ich meine Figuren in Szene? Wie baue ich einen Konflikt in einer Szene auf? Wie sprechen meine Figuren? Was ist eigentlich Subtext?
Mit vielen praktischen Schreibübungen und Filmbeispielen werden wir uns diesen Fragen nähern. Die neuen Erkenntnisse werden gleich in eigene Szenen umgesetzt, gemeinsam gelesen, diskutiert und umgeschrieben. Das Drehbuchseminar ist geeignet für Einsteiger und Fortgeschrittene und bietet einen weiteren Baustein für das erfolgreiche Drehbuchschreiben.
Termin: 7. April, 10 bis 18 Uhr
Ort: Filmbüro Bremen, Hinter der Holzpforte 1
Teilnahmegebühr: 80 € . Mitglieder des Filmbüros: 70 €.
Die Anmeldung ist ab sofort möglich und erfolgt über das Filmbüro Bremen, Saskia Wegelein: wegelein@filmbuero-bremen.de

  • Der Film „MAE goes AWAY“ , ein Projekt der Compagnons cooperative inklusiver Film, bei dem ich als Dramaturgin mitgearbeitet habe, hat Premiere am 8. Februar um 20.30 Uhr im City 46. Weitere Vorstellungen finden statt am 10.2 und 11.2. jeweils um 18 Uhr. Dieser Film erzählt die Geschichte einer Frau, die sich mühsam aus der Abhängigkeit von ihrem Mann zu befreien sucht. Während Mae mit ihrem Imbisswagen vor ihrem Mann Chris zu fliehen versucht, setzt dieser mit seinem Assistenten Horst alles daran, sie wieder zurückzuholen. Gleichzeitig müssen die Herren alle möglichen legalen und illegalen Geschäfte tätigen, frei nach dem Motto „legal, illegal, total egal“. Mit Unterstützung von Clara, die Mae nicht so ganz uneigennützig begleitet, und einer gewissen Magda gelingt es Mae, scheinbar zu entkommen. Aber am Ende wird sie stehenbleiben müssen, um diesem Mann Einhalt zu gebieten. Wird sie es lernen, ihr Leben mehr und mehr in die Hand zunehmen? Der Film ist vor und hinter der Kamera inklusiv zusammengesetzt, es wirken also Menschen mit und ohne Behinderung und / oder psychische Erkrankung gemeinsam vor und hinter der Kamera mit.  Es war eine tolle Zusammenarbeit und ich bin auf der Preview und sehr gespannt!
  • Durch Zufall gestoßen bin ich auf den Artikel Being a writer.  Ein wunderbarer Text, der hilfreiche Tipps gibt für die alltägliche Schreibtischexistenz von Autoren,  Drehbuchautoren und anderen schreibenden Menschen.
  • Berlinale 2018. Ich bin vom 15-18. Februar in Berlin und freue mich darauf, den ein oder die andere von Euch zu sehen

Bis dahin die besten Grüße!

Regina

 

 

 

Die besten Serien und Filme 2017

Zum Jahresende meine persönliche Best Of-Liste für 2017. Falls Euch zwischen den Jahren langweilig wird …

ONE MISSISSIPPI

Die zweite Staffel dieser genialen Serie ist im Oktober 2017 bei Amazon Prime erschienen, eine gute Gelegenheit, um sich die erste Staffel (2015) noch mal in Ruhe anzugucken. Komikerin Tig Notaro, die sich selber spielt, hat diese semiautobiographische Serie über ihr Schicksalsjahr entwickelt und mit Diablo Cody („Juno“, „Taras Welten“) den Piloten geschrieben.

Die erste Staffel beginnt mit dem Tod ihrer Mutter. Tig, lesbische Radiomoderatorin aus L. A., kommt deshalb in ihre Heimat Mississippi zurück. Sie hat gerade eine Brustkrebsoperation hinter sich und eine schwere Darmerkrankung. Nicht gerade der Stoff, aus dem Komödien sind, aber das genau gelingt hier. Wie Tig den Tod ihrer Mutter verarbeitet und sich in der verbliebenen Restfamilie zurecht findet mit Bruder Remy, der nicht richtig erwachsen ist, und Stiefvater Bill, der seine Katze über alles liebt und noch vor der Beerdigung der Mutter verkündet, dass sie jetzt gesetzlich keine Verwandten mehr sind, wird mit einem derart trockenen Humor erzählt, dass es eine Freude ist. In der zweiten Staffel geht es nicht mehr länger um Leben und Tod, sondern das Ganze entwickelt sich zu einer Familienserie und Tigs Liebesleben kommt in Schwung, als sie sich in die heterosexuelle Radioproducerin Stephanie verliebt.  ONE MISSISSIPPI ist eine der Serien, die das Thema #MeToo in der Medienbranche schon vorweggenommen haben, genauer, als man es sich wünschen würde, und das Thema wird zum Höhepunkt der zweiten Staffel. Diese  Serie ist sehr berührend, komisch und gefühlsmäßig eine Achterbahnfahrt, absolut sehenswert.

 

GODLESS

Western ist traditionell nicht unbedingt ein Frauengenre, aber diese Mini – Westernserie (7 Folgen) auf Netflix hat mich wirklich gepackt, vor allem Dank der großartigen Frauenfiguren, die gelernt haben, mit allen Mitteln zu überleben. Die zentralen Männerfiguren entsprechen genauso wenig dem Klischee, der Sheriff (Soot Mc Nairy) verliert sein Augenlicht und trifft nicht mehr beim Schießen, der Held Roy Goode (Jack O‘ Connell) lässt sich erst mal das Lesen beibringen, selbst Bösewicht Frank Griffin, großartig gespielt von Jeff Daniels, hat eine Backstory, die seine Brutalität und Unberechenbarkeit nicht entschuldigt, aber nachvollziehbar macht.

Roy Goode, der frühere Ziehsohn des Bösewichts  Frank Griffin, hat die Gang verlassen und landet durch Zufall im nur von Frauen bewohnten Ort „La Belle“. Hier darf er bleiben, solange er die Pferde von Alice Fletcher (Michelle Dockery) zureitet. Als Frank Griffin auf die Suche nach Roy geht und verkündet, dass jede(r), der (die) Roy unterstützt, von ihm und seiner dreißigköpfigen Gang getötet wird, schließen sich die Frauen unter der Regie der Schwester des Sheriffs  (Merrit Wever) zusammen, um es ihnen nicht zu leicht zu machen.  Autor und Regisseur Scott Frank, der schon lange als Drehbuchautor im Geschäft ist, erzählt eine Serie aus einer anderen Welt, ohne Smartphones und modernem Großstadtleben, statt dessen Landschaft, Weite, Pferde und Horizont, das macht allein schon filmisch Spaß.  Die Serie geht über das Genre des Westerns weit hinaus, sie ist ehrlicher und weniger verklärt. GODLESS bietet so viel Neues und Unvorhergesehenes, dass ich mit Spannung bis zum fulminanten Ende dabei war.

 

THE CROWN

Eine Serie über die britische Königin Elizabeth auf Netflix. Die erste Staffel beginnt mit dem Tod ihres Vaters und ihrer Krönung. Die großartige Hauptdarstellerin Claire Foy spielt den inneren Kampf zwischen Leidenschaft und Pflicht glaubwürdig und mitreißend. Ihrem Reifeprozess von der naiven Prinzessin zur repräsentablen Königin guckt man gerne zu. Peter Morgan, Erfinder und Autor der Serie, hat viele historische Ereignisse, aber auch die familiären Ups and Downs der königlichen Familie meisterhaft miteinander verwoben. Die beste historische Serie seit „Downton Abbey“!

 

MANCHESTER BY THE SEA

Der einzige Kinofilm, der es dieses Jahr auf meine Bestenliste geschafft hat, ist schon im Januar im Kino gelaufen und inzwischen auf DVD erhältlich.  Der Eigenbrötler Lee Chandler erhält die Nachricht, dass sein Bruder überraschend gestorben ist. Er kehrt in seinen Heimatort Manchester by the Sea zurück, um die Beerdigung zu organisieren und nach seinem  sechzehnjährigen Neffen Patrick zu sehen.  Als er vom Notar seines Bruders erfährt,  dass er die Vormundschaft für seinen Neffen übernehmen soll, gerät er in große Gewissenskonflikte. Die Begegnung mit seiner Ex- Frau macht ihm endgültig klar,  dass er sich seiner tragischen Vergangenheit stellen muss, um eine Entscheidung zu treffen. Casey Affleck spielt diesen Mann, der an seiner Schuld zerbrochen ist und der jetzt verzweifelt versucht mit dem Wiederaufleben des alten Traumas umzugehen, mit all seiner Verlorenheit, Hilflosigkeit und Aggression. Drehbuchautor Kenneth Lonnergan erzählt eine Geschichte von Schuld und Verantwortung, die mir unter die Haut gegangen ist.

 

 

THE CENTER WILL NOT HOLD (Die Mitte wird nicht halten)

Zum guten Schluss ein Dokumentarfilm auf Netflix über die Autorin und Journalistin Joan Didion, der mich sehr beeindruckt hat. Ich kannte Joan Didion als Autorin ihres Buches „Das Jahr magischen Denkens“, das sie nach dem plötzlichen Herztod ihres Mannes geschrieben hat, und das eine ehrliche und schonungslose Auseinandersetzung mit Trauer und Tod und dem Weiterleben ist. Ihr Neffe Griffin Dunne hat jetzt diesen Dokumentarfilm über sie gedreht. Die vertraute Atmosphäre in den Gesprächssituationen und die Auswahl der Schwerpunkte spiegeln die Nähe zwischen Filmemacher und Protagonistin wider. Auch hier spielt der Tod ihres Mannes und die lebensbedrohliche Krankheit der Tochter und ihr späterer Tod eine große Rolle. Darüber hinaus wird Didions Leben als Journalistin und Essayistin in den Mittelpunkt gestellt, die bis ins hohe Alter mit dem Schreiben versucht, die Welt und das Leben zu verstehen.

 

Novembernews

Was gibt es Neues?

  • Gemeinsam mit meinen Kollegen und Kolleginnen von VeDRA, Verband für Film- und Fernsehdramaturgie e.V., haben wir in diesem Jahr eine Checkliste zur Seriendramaturgie entwickelt. Immer mehr Serien werden produziert und die Arbeitsfelder von Seriendramaturgen sind vielfältig. Umso wichtiger ist es  sowohl für Auftraggeber, also Produzenten und Redaktionen, als auch für Dramaturgen von Anfang an oder wann immer es nötig wird zu einer genauen Auftragsklärung zu kommen.  Auf der VeDRA – Seite kann man diese Checkliste herunterladen und im internen Bereich findet man für die Mitglieder von VeDRA noch eine ausführlichere Variante, in die die geballte Serienkompetenz der VeDRA Dramaturgen eingeflossen ist.
  • Wie lassen sich in diesem Serienboom die wirklich guten Serien finden?  Diese Frage habe ich mit meinen Kollegen und Kolleginnen von VeDRa Anfang November in Berlin diskutiert. Mitten im Gewimmel von TV, netflix, amazon, sky und den laufenden Neustarts von Serien wird es zunehmend schwieriger, sich zurechtzufinden. Denn es gibt auch immer mehr schlechte Serien, mit denen sich jede Menge Lebenszeit totschlagen lässt  und hinterher fühlt man sich, als ob man zu viel Fast Food gegessen hätte. Was ist denn eine wirklich gute Serie? Welche Qualitätskriterien finden  sich?  Darüber gab es auf OpenVeDRA keine einfachen Antworten. Angeregt von dieser Diskussion werde ich jetzt von Zeit zu Zeit meine neuesten Entdeckungen unter dem Schlagwort „Serienhighlights“ kundtun und würde mich freuen, wenn Ihr meine Empfehlungen kommentiert oder mir Eure eigenen Entdeckungen schreibt! Der Anfang ist gemacht mit der britischen Serie „The A-Word“ (BBC 2016).
  • Wer die Zeit bis zum Kinostart von „Mae goes away“ im nächsten Jahr nicht mehr abwarten kann, findet hier einen Bericht vom Besuch von „buten und binnen“ (Radio Bremen) am Set. Diesen inklusiven Spielfilm habe ich als Dramaturgin begleitet, und freue mich auf den Kinostart im Februar.
  • Von Pixar gibt es einen kostenlosen großartigen Film über Storytelling, absolut anfängergeeignet, aber auch für alle, die meinen schon alles zu wissen, eine echte Bereichung!
  • Von meiner Kollegin und Autorin Anna Tollkötter gibt es einen spannenden Artikel über die Entwicklung von Kinderfilmen und Kinderbüchern in Deutschland: „Von Hotzenplotz bis Tintenherz – Wie Kinderfilme entstehen“. Hier schreibt eine Insiderin über die zunehmende Konzentration auf Marken und den oft fehlenden Mut für neue innovative Projekte. Sehr lesenswert!
  • Und was gibt es bei Euch Neues? Freue mich auf Kommentare und Infos!
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