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Stoffentwicklung und Filmdramaturgie

Kategorie: Schreiben

10 Fragen an Meike Dannenberg

Meike Dannenberg
Foto: Copyright Studioline

Meike Dannenberg ist Autorin, Journalistin und Literaturredakteurin des Magazins BÜCHER und lebt mit ihrer Familie in Bremen. Sie hat gerade ihren zweiten Kriminalroman veröffentlicht: „Gefährdet“ (btb). Meike liest ganz aktuell am Dienstag, den 19.2.2019, um 18 Uhr in der Krimibibliothek der Stadtbibliothek Bremen. Weitere Informationen zur Autorin und ihrem Buch finden Sie unter: http://meikedannenberg.de

Auf welchen Wegen oder Umwegen bist du zum Schreiben gekommen?

Ich war ein sehr pragmatisches Kind und ich wollte gerne im oder am Wald leben. Aber was kann man da arbeiten? Försterin verwarf ich, (Rehe erschießen!), aber Schriftstellerin beschwor ein Traumbild in mir herauf: mit Blick über die Wiesen und Bäume schöne Geschichten verfassen. Weil ich mir schon dachte, dass es schwierig werden könnte, davon wirklich zu leben, begann ich mit etwa elf einen ersten Roman – mit dem Hintergedanken, dass die Verlage sicher bei einer so jungen Schriftstellerin eine Ausnahme machen und das Buch veröffentlichen, auch wenn es nicht brillant ist. Leider merkte ich bereits nach wenigen Seiten, dass ich einen Film nacherzählte, den ich unlängst gesehen hatte, meine Freundin gewann einen Kurzgeschichtenwettbewerb und ich beschloss, dass ich nicht genug Fantasie für den Beruf habe. Im Laufe meines Lebens habe ich dann aber nach und nach alles vermieden, dass mich nicht in Richtung Literatur führte und nebenbei fast immer geschrieben. Ich habe Chancen ausgeschlagen, die sich falsch anfühlten, und letztlich blieb mir nichts anderes übrig, als das Schreiben endlich ernst zu nehmen. Jetzt ist es, als sei ich zum Ursprung zurückgekehrt, und ich bin sehr glücklich darüber! Leider möchte meine Familie nicht im Wald wohnen und ich mag die Annehmlichkeiten einer Stadt auch gar nicht mehr missen.

An welchem Projekt arbeitest Du gerade?

Ich arbeite an einem Exposé für einen dritten Band der Krimireihe mit Nora Klerner und parallel an einem Jugendbuch, das schon recht weit gediehen ist. Wenn ich ein Manuskript abgegeben habe, muss ich schnell mit etwas Neuem anfangen, es entsteht sonst eine unangenehme Lücke. Wie soll ich einschlafen, wenn ich dabei nicht über den Fortgang einer Geschichte nachdenken kann?

Wie sieht ein vollkommener Arbeitstag für Dich aus?

Gemütlich Kaffee trinken, Zeitung lesen und Mails beantworten bis zehn, in ein Café gehen und dort hoch inspiriert einige Stunden schreiben, nachmittags etwas mit der Familie unternehmen und abends mit einer Freundin ins Kino. Die tägliche Realität sieht leider anders aus, aber ab und an gönne ich mir diesen perfekten Tag!

Was wäre aus Dir geworden, wenn Du kein/e Autor/in geworden wärst?

Meeresforscherin. Als die pragmatische Entscheidung Journalismus getroffen wurde, dachte ich, ein Biologiestudiums würde mir dabei helfen, mich zumindest die meiste Zeit beruflich in der Natur aufhalten zu können. Als Teenagerin habe ich mikroskopiert, Fische und Schildkröten gehalten. Ich bin froh, dass es nicht so gekommen ist. Als Meeresforscherin hätte mich der Zustand der Gewässer in tiefe Depressionen gestürzt. Ich habe allerdings einen Traum umgesetzt, Tauchscheine gemacht und war im Regenwald von Venezuela.

Von wem oder durch was hast Du am meisten über das Schreiben gelernt?

Durchs Lesen. Ich habe schon als Kind viel gelesen. Ein Erweckungserlebnis war ein Urlaub, in dem ich die Kinderbücher (u.a. „Die rote Zora“ und „Märchenmond“) bereits auf der Fahrt nach Griechenland (über den damaligen „Autoput“, der sich in etwa so anfühlte, wie er heißt) durchgelesen hatte. Danach musste ich die Bücher meiner Eltern lesen: „Die Entdeckung der Langsamkeit“, „Das Geisterhaus“, „Die Herrin vom Nil“. Ich habe nicht alles verstanden, aber stellte fest, dass Literatur mich auf allen Ebenen vereinnahmen kann. In den letzten Jahren habe ich außerdem das Privileg ausgenutzt, dass ich als Literaturredakteurin Interviews mit erfolgreichen Autoren führe: ich habe jeden einzelnen nach seiner Arbeitsweise ausgequetscht. Das war sehr hilfreich, um zu verstehen, wie unterschiedlich die Herangehensweisen sind, wenn es um das praktische Entstehen eines Buches geht. Und dass alle kreativ schaffenden Menschen die gleichen Ängste teilen.

Das beste Buch über das Schreiben?

Für mich hat tatsächlich, schon vor vielen Jahren, der überesoterische „Weg des Künstlers“ den größten Effekt gehabt. Die Affirmationen fand ich albern, aber hier ging es vorrangig darum, sich überhaupt Kreativität zuzugestehen, Vertrauen zu entwickeln und sich die inneren Kritiker vorzuknöpfen. Dabei wird gleichzeitig viel geschrieben, und dann wusste ich, wie mein erstes Projekt aussehen wird.

Was tust Du außer Schreiben?

Als Literaturredakteurin lese ich sehr viel. Und wir haben eine vollen Familienalltag mit sehr gekümmertem Einzelkind, in dem ich das meiste wuppe, weil mein Mann länger arbeitet. Ich schreibe fast immer, wenn ich nichts anderes tun muss. Also könnte man sagen, ich tue nichts außer Schreiben? Nein, das stimmt nicht, wir haben einen Schrebergarten, ich singe seit vielen Jahren, backe neuerdings Torten, male und bastle gerne.

Dein aktuelles Lieblingsbuch?

Ich habe eher immer eine Lieblingsautorin, derzeit Tana French. Ich mag ihre leichte, fast tänzelnde Sprache, die recht ausufernd ist. Bei ihr vergesse ich Form, Plot und Stil und kann mich wieder ganz auf die Geschichte einlassen. Ich würde gerne Krimis schreiben wie sie und das spornt mich an, obwohl jeder seine eigene Erzählsprache hat und finden muss. Es erinnert mich aber daran, was ich an Büchern so liebe!

Welchen Film hast du in letzter Zeit gesehen, der dir besonders gefallen hat? Und warum?

Klingt vielleicht komisch, aber das war „Jurassic World“. Meine Familie war auf einem Konzert und ich hatte, was höchst selten ist, den Abend unter der Woche zu Hause für mich alleine. Ich wollte Popcorn-Kino und der Film hat das vollends befriedigt, ich habe nichts gedacht außer: „Lauf!“ Und dabei Sekt getrunken.


Zehn Fragen an Dorothee Schmitz-Köster

(Foto: Tristan Vankann)

Dorothee Schmitz-Köster arbeitet seit vielen Jahren als Journalistin und Buchautorin. Ihr neuestes Buch “ Raubkind – Von der SS nach Deutschland verschleppt“ ist soeben erschienen.  Ihre Lesung in Bremen findet am 13.  September um 18 Uhr im Wallsaal der Bremer Stadtbibliothek statt. Weitere  Informationen unter: http://www.schmitz-koester.de/

Auf welchen Wegen oder Umwegen bist du zum Schreiben gekommen?

Es waren tatsächlich Umwege. Mit meinem Germanistik- und Philosophiestudium wollte ich eigentlich Lehrerin werden. Aber es gab keine Stellen – zum Glück für mich. Außerdem bekam ich das Angebot zu promovieren, für mich die Eintrittskarte für den „freien Markt“. Ich fing an, journalistisch zu arbeiten, und als mir die Produktion von „Eintagsfliegen“ nach kurzer Zeit nicht mehr reichte, machte ich mich an Tiefenbohrungen, sprich: Große Radiostücke, das erste Buch …

An welchem Projekt arbeitest Du gerade?

Gerade ist mein zehntes (Sach-)Buch fertig geworden – jetzt stehen Lesungen, Vorträge, Interviews auf dem Programm. Außerdem arbeite ich an meinem Archiv … eine Aufgabe für die nächsten Jahre! Und eine Idee für einen kürzeren Text gibt es auch schon.

Wie sieht ein vollkommener Arbeitstag für Dich aus?

Absolute Konzentration! Ein Geistesblitz unter der Dusche. Viele Stunden am Schreibtisch – ungestört von Mails oder Telefon. Zwei, drei Bewegungs- und Frischluftpausen. Ein Abendessen, von jemand anders gekocht. Plaudern in kleiner Runde. Vom Text träumen …

Was wäre aus Dir geworden, wenn Du kein/e Autor/in geworden wärst?

Wahrscheinlich doch Lehrerin. Vielleicht Detektivin, wegen der Recherchelust. Oder Architektin, was ich mir als Kind vorgestellt habe ..

Von wem oder durch was hast Du am meisten über das Schreiben gelernt?

Durch Arbeit am Text. An der Uni ist ein Prof mit mir mein Referat durchgegangen, Wort für Wort. Seitdem schreibe ich gerade Sätze. Später beim Radio gab es einen geduldigen Redakteur, der mir das Schreiben fürs Hören an  meinen Manuskripten beibrachte. Das hat meinen Stil nachhaltig geprägt – ich lese mir meine Texte im Entstehen immer wieder selbst vor.

Das beste Buch über das Schreiben?

Ich habe keins der „Lehrbücher“ gelesen, obwohl es sicher gute gibt. Bei meinem neuen Buch – der Geschichte eines geraubten Kindes – war für mich wichtig: Per Olov Enquists „Die Ausgelieferten“. Ein dokumentarischer Roman, akribisch recherchiert, nicht unliterarisch … Diese Verbindung von Faktischem und Fiktivem würde ich auch gern hinbekommen.

Was tust Du außer Schreiben?

Kochen, Fotografieren, Walken … naja, und leben!

Dein aktuelles Lieblingsbuch?

Oh je, ich lese so viel, dass ich oft den Überblick verliere. Lieblingsbuch, Lieblingsbuch? Ist gerade nicht.

Welchen Film hast du in letzter Zeit gesehen, der dir besonders gefallen hat?  Und warum?

„Körper und Seele“ (von Ildikó Enyedi, Goldener Bär 2017) hat eine wunderbar-langsame Filmsprache, einen ungewöhnlichen Ort mit unverbrauchten Bildern (Schlachthof), winzige Szenen, die fast alles sagen … Toll!

Zehn Fragen an Anke Bär

Foto: Susanna Wengeler

Anke Bär ist Illustratorin und Autorin und lebt mit ihrer Familie in Bremen. Zuletzt erschien im Februar ihr Buch „Kirschendiebe oder als der Krieg vorbei war“ im Gerstenberg Verlag. Mehr über Anke Bär unter: http://www.ankebaer.de

 

 Auf welchen Wegen oder Umwegen bist du zum Schreiben gekommen?

Ich könnte behaupten, dass ich schon immer Autorin werden wollte. In der ersten und zweiten Klasse habe ich – kaum konnte ich schreiben – ganze Hefte mit Geschichten gefüllt. Darunter sogar eine Geschichte über das Schreiben an sich. Ich besitze die Hefte noch immer. In Wirklichkeit wollte ich aber schon immer so vieles werden. Deshalb habe ich schließlich „Kulturwissenschaften und Ästhetische Praxis“ in Hildesheim studiert, sehr in die Breite: Bildende Kunst, Theater und Literatur, Politikwissenschaften und Kulturmanagement, alles und nichts, wissenschaftlich betrachtend, vermittelnd und selbst künstlerisch tätig.

Noch im Studium kamen unsere beiden Töchter zur Welt. Im Rahmen der Diplomarbeit habe ich mich schließlich als Illustratorin erfunden und ein erstes Bilderbuch gestaltet, noch sehr auf der Suche. Im Rahmen des Studiums waren Bilderbücher und Illustrationen nie Thema. Über das Illustrieren bin ich wiederum zum Schreiben gelangt. Oder zurückgekehrt. Über meine beiden Prosa-Sachbilderbücher „Wilhelms Reise“ und „Endres, der Kaufmannssohn“ habe ich mich immer mehr der Prosa angenähert. Mein gerade erschienenes Buch „Kirschendiebe oder als der Krieg vorbei war“ ist nun rundum ein erzählendes Kinderbuch geworden.

An welchem Projekt arbeitest Du gerade?

Ich stehe gerade zwischen allen Stühlen, was weitere Bücher angeht, viele Ideen, viele Möglichkeiten, manches schon weiter vorangetrieben, einiges noch sehr am Anfang. Mal sehen, wo mich die Neugier hintreibt. Bilderbuch oder/und Jugendbuch? Das darf alles langsam reifen. Ich habe keine Eile.

Wie sieht ein vollkommener Arbeitstag für Dich aus?

  • Entspannter, vertrauter Morgen mit meiner Familie
  • Bahnenziehen im Stadionbad, Sonne, Glitzern im Wasser, Rhythmus
  • Schreibflow oder Reinzeichnen bereits konzeptuell geklärter Illustrationen
  • Spätnachmittags mit Familie und Freunden im Gras, am See oder im Wald, in den Abend hinein, vielleicht mit Picknick
  • Abends geistiges Zur-Ruhe-Kommen, keine Arbeit bis in die Nacht hinein

Was wäre aus Dir geworden, wenn Du kein/e Autor/in geworden wärst?

Vielleicht bleibe ich ja gar nicht Autorin? Wer weiß, was noch alles kommt und werden will. Ich werde immer weiter.

Von wem oder durch was hast Du am meisten über das Schreiben gelernt?

Über die vielen Bücher, die meine Mutter uns vorgelesen hat. Durch das Selbstlesen unzähliger Kinder- und Jugendbücher aus dem Bücherbus. Durch Lauschen, durch Neugier, durch genaues Hinsehen… Durch die Tätigkeit des Schreibens an sich. Durch Austausch mit meinem Mann, mit Kindern, mit Kollegen, mit meiner Lektorin und durch ein paar gute Fachbücher…

Das beste Buch über das Schreiben?

Ich habe nicht viele durchgearbeitet, nur diese beiden: „20 Masterplots“ von Ronald B. Tobias und Sol Steins „Über das Schreiben“, das schon im Studium kursierte. Sie waren für mich gute Impulsgeber bei der Überarbeitung meiner Texte.

Was tust Du außer Schreiben?

Leben. Mit allem Drum und Dran. Inklusive: Illustrieren / Illustration und Zeichnen an der HS/HfK Bremen unterrichten. Lesungen und Workshops entwickeln, die ich in Schulen, Bibliotheken und andere Veranstaltungsorte trage. Mit der Bremer Schauspielerin Franziska Mencz unsere beiden szenischen Lesungen zu meinen beiden anderen Kinderbüchern „Wilhelms Reise – Eine Auswanderergeschichte“ und „Endres, der Kaufmannssohn“ zur Aufführung bringen…

Dein aktuelles Lieblingsbuch?

Tanz der Tiefseequalle (Stefanie Höfler), Die Gestirne (Eleanor Catton), Die Ordnung der Sterne über Como (Monika Zeiner), Gertrude grenzenlos (Judith Burger), Der Kaugummigraf (Kirsten Reinhardt) … und mehr. Zu verschieden die Bücher und großartig auf ihre jeweilige Weise, um ein einzelnes als Lieblingsbuch zu küren.

Welchen Film hast du in letzter Zeit gesehen, der dir besonders gefallen hat?  Und warum?

„Die Mitte der Welt“ (Regie: Jakob M. Erwa) nach einem Roman von Andreas Steinhöfel. Feines Schauspiel, tolle Musik, satte Farben! Sehr liebevoll. Der Film hat mich hineingezogen in Phils Welt, hat mich in sich aufgenommen und noch tagelang in mein Alltagsleben hineingestrahlt.

 

 

Workshop Stoffentwicklung

Einen Tag lang besprechen wir in einer kleinen Gruppe Eure Stoffe. Egal, ob Pitch, Exposé oder Treatment,  egal, ob Dokumentarfilm, Kurzfilm oder Spielfilm, jedes Entwicklungsstadium Eures Stoffes und jedes Format ist willkommen. Eine Woche vor dem Termin bekomme ich die Stoffe und versende sie an die anderen Autoren, damit alle alle Texte gelesen haben.

Jeder Stoff wird vom Autor kurz vorgestellt, dann haben wir bis zu 90 Minuten Zeit, um den jeweiligen Stoff zu diskutieren: Thema, Figuren, Plot, Zielgruppe und vieles mehr. Nicht nur die leitende Dramaturgin, sondern auch die anderen Teilnehmer und Teilnehmerinnen bringen ihre Fragen und Anregungen ein, um die Stoffe weiterzuentwickeln.

Termin:  Freitag, den 25.8.2017, von 10 bis 18 Uhr (ausgebucht!)

ZUSATZTERMIN: Samstag, den 16. 9.2017 von 10 – 18 Uhr

Ort: Filmbüro Bremen, Hinter der Holzpforte 1

Die Teilnahmegebühr für den Workshop beträgt 50 € . Mitglieder des Filmbüros erhalten eine Ermäßigung.

Die Anmeldung  ist ab sofort möglich und erfolgt über das Filmbüro Bremen, Saskia Wegelein: wegelein@filmbuero-bremen.de

 

 

Zehn Fragen an Jutta Reichelt

 

Jutta Reichelt ist Schriftstellerin, Bloggerin und Dozentin. Fast so gerne, wie selbst zu schreiben, unterstützt sie die Schreibprozesse anderer – ganz unabhängig davon, ob es sich um Fanfiction oder „ernste Literatur“ handelt. Zuletzt erschien der Roman: Wiederholte Verdächtigungen. Mehr über Jutta Reichelt unter: http://www.juttareichelt.com

 

Auf welchen Wegen oder Umwegen bist du zum Schreiben gekommen?

Ich habe erst mit Mitte zwanzig mit dem Schreiben begonnen – und obwohl ich weder Talent noch Erfahrung noch Ideen hatte, führte sehr bald kein Weg an der Erkenntnis vorbei, dass es das war, was ich von nun an in den Mittelpunkt meines Lebens stellen wollte. Dann begann die lange, lange Suche nach dem (halbwegs) gelungenen Text.

An welchem Projekt arbeitest Du gerade?

Ich habe gerade die Arbeit an einem „Schulhausroman“ mit einer Schulklasse aus Bremerhaven beendet: am 13. und 15. Juni wird er in Bremen (Wallsaal) und Bremerhaven (Pferdestall) präsentiert. Unter kräftiger Mitarbeit der jungendlichen Akteure schreibe ich gerade das Theaterstück „Ein Stück von mir“ für das Bonner Theater. Für meinen „Geschichten-Generator“ (Workshop, Festival, Bühne) entwickele ich unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten – und in jeder freien Minute, die dann noch bleibt, schreibe ich an einem neuen Buch mit dem Arbeitstitel „Wie ich meine Lebensgeschichte (er)fand“.

Wie sieht ein vollkommener Arbeitstag für Dich aus?

Ich bin nicht unter Druck wegen irgendwelcher Projekte (s.o.) und kann mich an diesem Tag (und weil es ein vollkommener Tag sein soll) auch an den folgenden komplett auf mein eigenes Schreiben konzentrieren. Ich setze mich an den Schreibtisch und arbeite etwa drei Stunden. Vom Tag vorher ist noch Essen im Kühlschrank, das ich mir aufwärmen kann. Die Sonne scheint und ich setze mich zum Essen auf den Balkon. Wenn wirklich sehr gutes Wetter ist, fahre ich in den Garten und mache etwas, das ich auch dort gut machen kann (planen, plotten, lesen). Um 16.30 Uhr kommt meine Freundin von der Arbeit und wir trinken einen Tee – damit ist der Arbeitstag beendet.

Was wäre aus Dir geworden, wenn Du kein/e Autor/in geworden wärst?

Da ich das nicht als Entscheidung empfunden habe, die auch anders hätte ausfallen können, zu der es auch Alternativen gegeben hätte, kann ich das wirklich nicht beantworten.

Von wem oder durch was hast Du am meisten über das Schreiben gelernt?

Durch Lesen. Durch die sehr präzisen, sehr konstruktiven Rückmeldungen zunächst meines Bruders und später der zwei befreundeten Autorinnen Kerstin Becker und Ulrike Ulrich. Dadurch dass ich andere in ihren Schreibprozessen unterstütze.

Das beste Buch über das Schreiben?

Ach ja, an einem „alternativen Schreibratgeber“ schreibe ich auch seit Jahren, das hatte ich eben vergessen 😉 Die meisten Menschen, die in meine Kurse kommen, haben zwei Wünsche: mehr schreiben und besser schreiben. Mir ging es lange Zeit genauso. Weder mir noch den Teilnehmer.innen meiner Kurse haben Schreib-Ratgeber dabei entscheidend geholfen. Wenn Menschen mit dem Schreiben beginnen, benötigen sie nicht mehr Regeln und Vorschriften, sondern mehr Neugier und Mut, einfach mal loszulegen. Ich erlebe immer wieder, dass Teilnehmer.innen eine ursprünglich gute und originelle Idee dadurch beschädigen, dass sie „Regeln“ anwenden (Konflikt! Ziel! Antagonist!) statt die Geschichte „einfach“ nur so zu erzählen, dass sie Leser.innen findet – weil sie spannend ist (oder berührend oder klug oder einen besonderen Ton, eine überraschende Perspektive hat oder was auch immer). Wie das im Einzelfall zu erreichen ist, lässt sich (leider) immer nur im Einzelfall herausfinden (durch viel Schreiben und konstruktive, qualitativ hochwertige Rückmeldungen) – das ist meine Erfahrung sowohl mit meinen eigenen, wie mit fremden Texten. Wer in eine (halbwegs) mühelose Schreibpraxis gefunden hat und Texte schreiben möchte, die literarischen Ansprüchen genügen, der wird sicherlich einige erhellende Gedanken in „Die Kunst des Erzählens“ von James Wood finden. Ich habe auch auf meinem Blog darüber geschrieben.

Was tust Du außer Schreiben?

Vor allem leider ständig: Listen abarbeiten.

Dein aktuelles Lieblingsbuch?

Ein „Lieblingsbuch“ habe ich nicht und habe es auch nie gehabt. Ich kann aber gerne die zehn Bücher aufzählen, die ich gerade gerne in meiner Nähe habe (nach gefühltem Erscheinungsdatum rückwärts chronologisch):
„Die Fremde – ein seltsamer Lehrmeister“ (Usama Al Shamani/Bernadette Conrad), „Biestmilch“ (Kerstin Becker), „Draussen um diese Zeit“ (Ulrike Ulrich),, „Wer ist hier die Mutter“ (Alison Bechdel), „Rette dich, das Leben ruft“ (Boris Cyrulnik), „Extrem laut und unglaublich nah“ (Jonathan Safran Foer), „Die Vorbereitung des Romans“ (Roland Barthes), „Der starke Wanja“ (Otfried Preußler), „Aller Welt Freund“ (Jurek Becker), „Der Schwur von Kolvillag“ (Elie Wiesel)

Welchen Film hast du in letzter Zeit gesehen, der dir besonders gefallen hat?

„Hedi Schneider steckt fest“: toller Film über eine Frau, die eine Angststörung entwickelt.

Und warum?

Weil er viele Klischees umschifft, tragikomische Aspekte nutzt und nicht leugnet und mir nochmals eine neue, tiefere Sicht auf diese Erkrankung ermöglicht hat.

 

 

 

 

 

Zehn Fragen an Jörg Isermeyer

Jörg Isermeyer ist Schauspieler, Theaterregisseur, Musiker und Autor. Er schreibt Kinderbücher, Bilderbücher und Theaterstücke. Im Februar erscheint sein neuestes Kinderbuch: „Bastian und die Brüllbande“. Jörg lebt mit seiner Familie in Bremen.

 Auf welchen Wegen oder Umwegen bist du zum Schreiben gekommen?

Als ca. Zehnjähriger habe ich viel gelesen und wollte unbedingt Schriftsteller werden. Ich habe mir eine wilde Wildwest-Geschichte überlegt und losgelegt. Nach fünf Seiten habe ich gemerkt, wie anstrengend das ist … und meine Zukunftspläne geändert. Über Liedtexte und die Stückerarbeitungen (als Theaterregisseur) bin ich dann doch wieder beim Schreiben gelandet. Shit happens!

An welchem Projekt arbeitest Du gerade?

Ich habe jede Menge angefangene Sachen in der Schublade. Je nachdem, wie viel Zeit mir meine Musik- und Theaterprojekte lassen, hole ich eins hervor und versuche damit fertig zu werden (oder zumindest weiter zu kommen). Gerade liegt die letzte Überarbeitung eines Kinder-Theaterstückes an, dann will ich eigentlich mit einem Jugendbuch zu den Themen Geflüchtete/AfD etc./Wohnungspolitik weitermachen … aber vielleicht wird es doch erst ein neuer Bilderbuchtext. Wenn man da erst mal eine Idee hat, ist die reine Schreibzeit überschaubarer…

Wie sieht ein vollkommener Arbeitstag für Dich aus?

Bezogen aufs Schreiben: möglichst früh in die Gänge kommen und dann in den Fluss kommen. Wenn es gut läuft, bin ich nach 4 Stunden komplett ausgelaugt. Romanfiguren sind Vampire: um wirklich zu leben, müssen sie ihren Autor*innen das Blut aussaugen. Und den Rest vom Tag nutze ich dann für Dinge, die nicht ganz so viel Energie und Konzentration brauchen.

Was wäre aus Dir geworden, wenn Du kein/e Autor/in geworden wärst?

Als ich mein Abi in der Tasche hatte, wollte ich Clochard werden – keinen Bock auf Leistungsgesellschaft. Meine Eltern waren heilfroh, dass ich dann immerhin als Straßenmusiker durch die Gegend zog … Rockstar könnte ich mir also noch vorstellen, aber dafür habe ich bisher keine Stellenausschreibung gesehen.

Von wem oder durch was hast Du am meisten über das Schreiben gelernt?

Etwas Handwerkszeug über Schreibratgeber, etwas durchs Lesen, etwas durch die Theaterarbeit als Schauspieler und Regisseur, etwas durch meine Zeit auf der Straße (Leute beobachten und sich in sie hineindenken etc.) … vielleicht am meisten dadurch, dass ich immer wieder mit anderen Menschen zusammenarbeite und versuche, offen für Kritik und Anregungen zu sein. Wenn ich Schreib-Workshops gebe, scheint mir dass der häufigste Fehler zu sein: zu früh zu glauben, man sei am Ziel.

Das beste Buch über das Schreiben?

Keine Ahnung, ich hab nicht so viele davon gelesen. „Über das Schreiben“ von Sol Stein fand ich gut, aber ich habe kaum Vergleich.

Was tust Du außer Schreiben?

Musik und Theater – und dann habe ich noch eine Familie, die will auch etwas Zeit mit mir verbringen …

Dein aktuelles Lieblingsbuch?

Seit Jahren „Huckleberry Finn“ von Mark Twain. Ansonsten habe ich gerade die Krimis von Deon Meyer und die Romane von Martin Suter für mich entdeckt. Und von den Kinderbüchern empfehle ich „Doktor Proktors Pupspulver“ von Jo Nesbo (hätte ich gern selbst geschrieben – aber bloß nicht den Film gucken, der ist grauenvoll) und die „Maulina Schmitt“-Trilogie von Finn-Ole Heinrich.

Welchen Film hast du in letzter Zeit gesehen, der dir besonders gefallen hat?

Ich würde gern viel häufiger ins Kino gehen, aber die Zeit, die Zeit … daher ist meine Empfehlung nicht mehr ganz frisch: „Grand Budapest Hotel“. Tolle Story, tolle Bilder, tolle Schauspieler – mit einer Prise Selbstironie kann man sich auch wieder an die großen Gefühle und Entwürfe heranwagen.

Zehn Fragen an Anna Lott

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Anna Lott ist Autorin für Kindermedien, sie schreibt Kinderbücher (z.B. für dtv-junior, Carlsen, Arena), Geschichten fürs Radio, entwickelt gerade eine Animationsserie für das Kinderfernsehen und schreibt an ihrem ersten Drehbuch für einen Kinderfilm. Anna lebt mit ihrer Familie in Bremen. Mehr über Anna Lott unter: http://www.annalott.com.

Auf welchen Wegen oder Umwegen bist du zum Schreiben gekommen?

Mit den Umwegen ist es ja so eine Sache. Da denkt man lange, dass das in der Vita eine Menge Umwege sind. Und dann plötzlich wird klar: nee, das sind keine Umwege, das sind alles Wege, die mich ans Ziel gebracht haben. Schreiben wollte ich schon immer bzw. habe ich schon immer getan. Schon als Kind habe ich Unmengen von Tagebüchern vollgekritzelt.

An welchem Projekt arbeitest Du gerade?

Ich arbeite immer an mehreren Projekten gleichzeitig. Derzeit schreibe ich an einem Kinofilm für Kinder, an einer Buchserie für Mädchen ab acht Jahren und entwickle eine Erstelesereihe. Parallel dazu entwickle ich weitere Stoffe und reiche sie bei Verlagen oder Rundfunkanstalten ein, damit ich nicht arbeitslos bin, wenn die laufenden Projekte vorbei sind.

Wie sieht ein vollkommener Arbeitstag für Dich aus?

Mein realer Arbeitstag sieht oft so aus: Morgens lese ich die Zeitung, beantworte Mails, bringe Projekte voran und arbeite am laufenden Projekt weiter. Mittags koche ich etwas oder esse mit Kolleg/innen (wenn Zeit ist). Anschließend arbeite ich am laufenden Projekt weiter. Wenn meine Kinder um 16 Uhr von der Schule heimkommen, ist Familienzeit. Oft arbeite ich auch abends, wenn ich viel zu tun habe oder mich ein Projekt nicht loslässt.

Mein vollkommener Arbeitstag sieht im Grunde genauso aus. Ich bin froh, dass ich so selbstbestimmt und frei arbeiten kann.

Was wäre aus Dir geworden, wenn Du keine Autorin geworden wärst?

Wenn ich nicht als Autorin arbeiten würde, wäre ich vermutlich weiterhin Redakteurin beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Aber während meiner Schulzeit hatte ich häufig den Wunsch, Chirurgin zu werden (obwohl mein Abi wirklich katastrophal war). Ich frage mich jedoch, ob ich ein Medizinstudium über so viele Jahre geschafft hätte. Vermutlich hätte ich mich sehr gelangweilt. Etwas einfach nur zu lernen ohne  einen konkreten Bezug zum künftigen Beruf – puh, das wäre mir wahrscheinlich schwer gefallen. Aber, wer weiß? Wenn ich mir klare Ziele stecke, habe ich für lange Durststrecken immer eine Flasche Wasser im Gepäck.

Von wem oder durch was hast Du am meisten über das Schreiben gelernt?

Durch jahrelanges Üben, Scheitern und Weiterüben, Selbsterfahrung. Parallel dazu habe ich sehr genau beobachtet (und das tue ich noch immer): Welche Filme/ Bücher mag ich? Warum mag ich sie? Wie schaffen die jeweiligen Autoren/ Regisseure das? Welche Themen sind „meine“ Themen? Außerdem habe ich mir andere Autoren und Autorinnen ganz genau angeguckt (und das tue ich noch immer): Wie arbeiten sie? Wie gehen sie strategisch vor? Wie stellen sie sich auf dem Markt auf?

 Was tust Du außer Schreiben? Ich bewege mich viel, gehe gerne ins Kino, koche und esse mit Leidenschaft.

 Das beste Buch über das Schreiben? Stephen King: Über das Schreiben.

 Dein Lieblingsbuch? „Sieben Minuten nach Mitternacht“ von Patrick Ness und der leider verstorbenen Siobhan Dowd.

Welchen Film hast du in letzter Zeit gesehen, der dir besonders gefallen hat?

„Zoomania“ fällt mir spontan ein. In diesem Film ist in meinen Augen alles rund und das Thema „Vorurteile“ wird bis in die kleinste Szene bedient. Großartig.

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