Stoffentwicklung und Filmdramaturgie

Kategorie: Schreiben (Seite 2 von 2)

Zehn Fragen an Jörg Isermeyer

Jörg Isermeyer ist Schauspieler, Theaterregisseur, Musiker und Autor. Er schreibt Kinderbücher, Bilderbücher und Theaterstücke. Im Februar erscheint sein neuestes Kinderbuch: „Bastian und die Brüllbande“. Jörg lebt mit seiner Familie in Bremen.

 Auf welchen Wegen oder Umwegen bist du zum Schreiben gekommen?

Als ca. Zehnjähriger habe ich viel gelesen und wollte unbedingt Schriftsteller werden. Ich habe mir eine wilde Wildwest-Geschichte überlegt und losgelegt. Nach fünf Seiten habe ich gemerkt, wie anstrengend das ist … und meine Zukunftspläne geändert. Über Liedtexte und die Stückerarbeitungen (als Theaterregisseur) bin ich dann doch wieder beim Schreiben gelandet. Shit happens!

An welchem Projekt arbeitest Du gerade?

Ich habe jede Menge angefangene Sachen in der Schublade. Je nachdem, wie viel Zeit mir meine Musik- und Theaterprojekte lassen, hole ich eins hervor und versuche damit fertig zu werden (oder zumindest weiter zu kommen). Gerade liegt die letzte Überarbeitung eines Kinder-Theaterstückes an, dann will ich eigentlich mit einem Jugendbuch zu den Themen Geflüchtete/AfD etc./Wohnungspolitik weitermachen … aber vielleicht wird es doch erst ein neuer Bilderbuchtext. Wenn man da erst mal eine Idee hat, ist die reine Schreibzeit überschaubarer…

Wie sieht ein vollkommener Arbeitstag für Dich aus?

Bezogen aufs Schreiben: möglichst früh in die Gänge kommen und dann in den Fluss kommen. Wenn es gut läuft, bin ich nach 4 Stunden komplett ausgelaugt. Romanfiguren sind Vampire: um wirklich zu leben, müssen sie ihren Autor*innen das Blut aussaugen. Und den Rest vom Tag nutze ich dann für Dinge, die nicht ganz so viel Energie und Konzentration brauchen.

Was wäre aus Dir geworden, wenn Du kein/e Autor/in geworden wärst?

Als ich mein Abi in der Tasche hatte, wollte ich Clochard werden – keinen Bock auf Leistungsgesellschaft. Meine Eltern waren heilfroh, dass ich dann immerhin als Straßenmusiker durch die Gegend zog … Rockstar könnte ich mir also noch vorstellen, aber dafür habe ich bisher keine Stellenausschreibung gesehen.

Von wem oder durch was hast Du am meisten über das Schreiben gelernt?

Etwas Handwerkszeug über Schreibratgeber, etwas durchs Lesen, etwas durch die Theaterarbeit als Schauspieler und Regisseur, etwas durch meine Zeit auf der Straße (Leute beobachten und sich in sie hineindenken etc.) … vielleicht am meisten dadurch, dass ich immer wieder mit anderen Menschen zusammenarbeite und versuche, offen für Kritik und Anregungen zu sein. Wenn ich Schreib-Workshops gebe, scheint mir dass der häufigste Fehler zu sein: zu früh zu glauben, man sei am Ziel.

Das beste Buch über das Schreiben?

Keine Ahnung, ich hab nicht so viele davon gelesen. „Über das Schreiben“ von Sol Stein fand ich gut, aber ich habe kaum Vergleich.

Was tust Du außer Schreiben?

Musik und Theater – und dann habe ich noch eine Familie, die will auch etwas Zeit mit mir verbringen …

Dein aktuelles Lieblingsbuch?

Seit Jahren „Huckleberry Finn“ von Mark Twain. Ansonsten habe ich gerade die Krimis von Deon Meyer und die Romane von Martin Suter für mich entdeckt. Und von den Kinderbüchern empfehle ich „Doktor Proktors Pupspulver“ von Jo Nesbo (hätte ich gern selbst geschrieben – aber bloß nicht den Film gucken, der ist grauenvoll) und die „Maulina Schmitt“-Trilogie von Finn-Ole Heinrich.

Welchen Film hast du in letzter Zeit gesehen, der dir besonders gefallen hat?

Ich würde gern viel häufiger ins Kino gehen, aber die Zeit, die Zeit … daher ist meine Empfehlung nicht mehr ganz frisch: „Grand Budapest Hotel“. Tolle Story, tolle Bilder, tolle Schauspieler – mit einer Prise Selbstironie kann man sich auch wieder an die großen Gefühle und Entwürfe heranwagen.

Zehn Fragen an Anna Lott

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Anna Lott ist Autorin für Kindermedien, sie schreibt Kinderbücher (z.B. für dtv-junior, Carlsen, Arena), Geschichten fürs Radio, entwickelt gerade eine Animationsserie für das Kinderfernsehen und schreibt an ihrem ersten Drehbuch für einen Kinderfilm. Anna lebt mit ihrer Familie in Bremen. Mehr über Anna Lott unter: http://www.annalott.com.

Auf welchen Wegen oder Umwegen bist du zum Schreiben gekommen?

Mit den Umwegen ist es ja so eine Sache. Da denkt man lange, dass das in der Vita eine Menge Umwege sind. Und dann plötzlich wird klar: nee, das sind keine Umwege, das sind alles Wege, die mich ans Ziel gebracht haben. Schreiben wollte ich schon immer bzw. habe ich schon immer getan. Schon als Kind habe ich Unmengen von Tagebüchern vollgekritzelt.

An welchem Projekt arbeitest Du gerade?

Ich arbeite immer an mehreren Projekten gleichzeitig. Derzeit schreibe ich an einem Kinofilm für Kinder, an einer Buchserie für Mädchen ab acht Jahren und entwickle eine Erstelesereihe. Parallel dazu entwickle ich weitere Stoffe und reiche sie bei Verlagen oder Rundfunkanstalten ein, damit ich nicht arbeitslos bin, wenn die laufenden Projekte vorbei sind.

Wie sieht ein vollkommener Arbeitstag für Dich aus?

Mein realer Arbeitstag sieht oft so aus: Morgens lese ich die Zeitung, beantworte Mails, bringe Projekte voran und arbeite am laufenden Projekt weiter. Mittags koche ich etwas oder esse mit Kolleg/innen (wenn Zeit ist). Anschließend arbeite ich am laufenden Projekt weiter. Wenn meine Kinder um 16 Uhr von der Schule heimkommen, ist Familienzeit. Oft arbeite ich auch abends, wenn ich viel zu tun habe oder mich ein Projekt nicht loslässt.

Mein vollkommener Arbeitstag sieht im Grunde genauso aus. Ich bin froh, dass ich so selbstbestimmt und frei arbeiten kann.

Was wäre aus Dir geworden, wenn Du keine Autorin geworden wärst?

Wenn ich nicht als Autorin arbeiten würde, wäre ich vermutlich weiterhin Redakteurin beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Aber während meiner Schulzeit hatte ich häufig den Wunsch, Chirurgin zu werden (obwohl mein Abi wirklich katastrophal war). Ich frage mich jedoch, ob ich ein Medizinstudium über so viele Jahre geschafft hätte. Vermutlich hätte ich mich sehr gelangweilt. Etwas einfach nur zu lernen ohne  einen konkreten Bezug zum künftigen Beruf – puh, das wäre mir wahrscheinlich schwer gefallen. Aber, wer weiß? Wenn ich mir klare Ziele stecke, habe ich für lange Durststrecken immer eine Flasche Wasser im Gepäck.

Von wem oder durch was hast Du am meisten über das Schreiben gelernt?

Durch jahrelanges Üben, Scheitern und Weiterüben, Selbsterfahrung. Parallel dazu habe ich sehr genau beobachtet (und das tue ich noch immer): Welche Filme/ Bücher mag ich? Warum mag ich sie? Wie schaffen die jeweiligen Autoren/ Regisseure das? Welche Themen sind „meine“ Themen? Außerdem habe ich mir andere Autoren und Autorinnen ganz genau angeguckt (und das tue ich noch immer): Wie arbeiten sie? Wie gehen sie strategisch vor? Wie stellen sie sich auf dem Markt auf?

 Was tust Du außer Schreiben? Ich bewege mich viel, gehe gerne ins Kino, koche und esse mit Leidenschaft.

 Das beste Buch über das Schreiben? Stephen King: Über das Schreiben.

 Dein Lieblingsbuch? „Sieben Minuten nach Mitternacht“ von Patrick Ness und der leider verstorbenen Siobhan Dowd.

Welchen Film hast du in letzter Zeit gesehen, der dir besonders gefallen hat?

„Zoomania“ fällt mir spontan ein. In diesem Film ist in meinen Augen alles rund und das Thema „Vorurteile“ wird bis in die kleinste Szene bedient. Großartig.

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