Meike Dannenberg
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Meike Dannenberg ist Autorin, Journalistin und Literaturredakteurin des Magazins BÜCHER und lebt mit ihrer Familie in Bremen. Sie hat gerade ihren zweiten Kriminalroman veröffentlicht: „Gefährdet“ (btb). Meike liest ganz aktuell am Dienstag, den 19.2.2019, um 18 Uhr in der Krimibibliothek der Stadtbibliothek Bremen. Weitere Informationen zur Autorin und ihrem Buch finden Sie unter: http://meikedannenberg.de

Auf welchen Wegen oder Umwegen bist du zum Schreiben gekommen?

Ich war ein sehr pragmatisches Kind und ich wollte gerne im oder am Wald leben. Aber was kann man da arbeiten? Försterin verwarf ich, (Rehe erschießen!), aber Schriftstellerin beschwor ein Traumbild in mir herauf: mit Blick über die Wiesen und Bäume schöne Geschichten verfassen. Weil ich mir schon dachte, dass es schwierig werden könnte, davon wirklich zu leben, begann ich mit etwa elf einen ersten Roman – mit dem Hintergedanken, dass die Verlage sicher bei einer so jungen Schriftstellerin eine Ausnahme machen und das Buch veröffentlichen, auch wenn es nicht brillant ist. Leider merkte ich bereits nach wenigen Seiten, dass ich einen Film nacherzählte, den ich unlängst gesehen hatte, meine Freundin gewann einen Kurzgeschichtenwettbewerb und ich beschloss, dass ich nicht genug Fantasie für den Beruf habe. Im Laufe meines Lebens habe ich dann aber nach und nach alles vermieden, dass mich nicht in Richtung Literatur führte und nebenbei fast immer geschrieben. Ich habe Chancen ausgeschlagen, die sich falsch anfühlten, und letztlich blieb mir nichts anderes übrig, als das Schreiben endlich ernst zu nehmen. Jetzt ist es, als sei ich zum Ursprung zurückgekehrt, und ich bin sehr glücklich darüber! Leider möchte meine Familie nicht im Wald wohnen und ich mag die Annehmlichkeiten einer Stadt auch gar nicht mehr missen.

An welchem Projekt arbeitest Du gerade?

Ich arbeite an einem Exposé für einen dritten Band der Krimireihe mit Nora Klerner und parallel an einem Jugendbuch, das schon recht weit gediehen ist. Wenn ich ein Manuskript abgegeben habe, muss ich schnell mit etwas Neuem anfangen, es entsteht sonst eine unangenehme Lücke. Wie soll ich einschlafen, wenn ich dabei nicht über den Fortgang einer Geschichte nachdenken kann?

Wie sieht ein vollkommener Arbeitstag für Dich aus?

Gemütlich Kaffee trinken, Zeitung lesen und Mails beantworten bis zehn, in ein Café gehen und dort hoch inspiriert einige Stunden schreiben, nachmittags etwas mit der Familie unternehmen und abends mit einer Freundin ins Kino. Die tägliche Realität sieht leider anders aus, aber ab und an gönne ich mir diesen perfekten Tag!

Was wäre aus Dir geworden, wenn Du kein/e Autor/in geworden wärst?

Meeresforscherin. Als die pragmatische Entscheidung Journalismus getroffen wurde, dachte ich, ein Biologiestudiums würde mir dabei helfen, mich zumindest die meiste Zeit beruflich in der Natur aufhalten zu können. Als Teenagerin habe ich mikroskopiert, Fische und Schildkröten gehalten. Ich bin froh, dass es nicht so gekommen ist. Als Meeresforscherin hätte mich der Zustand der Gewässer in tiefe Depressionen gestürzt. Ich habe allerdings einen Traum umgesetzt, Tauchscheine gemacht und war im Regenwald von Venezuela.

Von wem oder durch was hast Du am meisten über das Schreiben gelernt?

Durchs Lesen. Ich habe schon als Kind viel gelesen. Ein Erweckungserlebnis war ein Urlaub, in dem ich die Kinderbücher (u.a. „Die rote Zora“ und „Märchenmond“) bereits auf der Fahrt nach Griechenland (über den damaligen „Autoput“, der sich in etwa so anfühlte, wie er heißt) durchgelesen hatte. Danach musste ich die Bücher meiner Eltern lesen: „Die Entdeckung der Langsamkeit“, „Das Geisterhaus“, „Die Herrin vom Nil“. Ich habe nicht alles verstanden, aber stellte fest, dass Literatur mich auf allen Ebenen vereinnahmen kann. In den letzten Jahren habe ich außerdem das Privileg ausgenutzt, dass ich als Literaturredakteurin Interviews mit erfolgreichen Autoren führe: ich habe jeden einzelnen nach seiner Arbeitsweise ausgequetscht. Das war sehr hilfreich, um zu verstehen, wie unterschiedlich die Herangehensweisen sind, wenn es um das praktische Entstehen eines Buches geht. Und dass alle kreativ schaffenden Menschen die gleichen Ängste teilen.

Das beste Buch über das Schreiben?

Für mich hat tatsächlich, schon vor vielen Jahren, der überesoterische „Weg des Künstlers“ den größten Effekt gehabt. Die Affirmationen fand ich albern, aber hier ging es vorrangig darum, sich überhaupt Kreativität zuzugestehen, Vertrauen zu entwickeln und sich die inneren Kritiker vorzuknöpfen. Dabei wird gleichzeitig viel geschrieben, und dann wusste ich, wie mein erstes Projekt aussehen wird.

Was tust Du außer Schreiben?

Als Literaturredakteurin lese ich sehr viel. Und wir haben eine vollen Familienalltag mit sehr gekümmertem Einzelkind, in dem ich das meiste wuppe, weil mein Mann länger arbeitet. Ich schreibe fast immer, wenn ich nichts anderes tun muss. Also könnte man sagen, ich tue nichts außer Schreiben? Nein, das stimmt nicht, wir haben einen Schrebergarten, ich singe seit vielen Jahren, backe neuerdings Torten, male und bastle gerne.

Dein aktuelles Lieblingsbuch?

Ich habe eher immer eine Lieblingsautorin, derzeit Tana French. Ich mag ihre leichte, fast tänzelnde Sprache, die recht ausufernd ist. Bei ihr vergesse ich Form, Plot und Stil und kann mich wieder ganz auf die Geschichte einlassen. Ich würde gerne Krimis schreiben wie sie und das spornt mich an, obwohl jeder seine eigene Erzählsprache hat und finden muss. Es erinnert mich aber daran, was ich an Büchern so liebe!

Welchen Film hast du in letzter Zeit gesehen, der dir besonders gefallen hat? Und warum?

Klingt vielleicht komisch, aber das war „Jurassic World“. Meine Familie war auf einem Konzert und ich hatte, was höchst selten ist, den Abend unter der Woche zu Hause für mich alleine. Ich wollte Popcorn-Kino und der Film hat das vollends befriedigt, ich habe nichts gedacht außer: „Lauf!“ Und dabei Sekt getrunken.